Foto aus der 1. ReiheGestern ist es wirklich passiert: Ich habe mein Debut auf einer Stand-Up Comedy Bühne gegeben! Ein paar Wochen lang habe ich mir verschiedene Open-Mic-Bühnen in Berlin angesehen, mir ein Programm zurecht gelegt und mich angemeldet.

Das Anmelden geht ganz einfach. Die Open-Mic-Shows haben immer ein Event bei Facebook angelegt, wo man einfach rechtzeitig (bis so 3 Tage vorher) mit „spot“ kommentiert und damit klar macht, dass man gerne auftreten möchte. I.d.R. hat jeder zwischen 5 und 7 Minuten Zeit. Es ist als Neuer die beste Chance, sich mal kurz zu versuchen und für die erfolgreicheren/älteren Hasen die beste Möglichkeit, neues Material auszuprobieren. Im Gegensatz zu einer „normalen“ Comedy-Show, wo ein Comedian ein längeres Set spielt (so ab 20 Minuten), sieht man bei den open mics viele verschiedene Leute und damit auch sehr verschiedene Facetten von Humor. Macht sich besonders gut also, wenn man noch niemanden kennt und trotzdem lachen möchte 😉

Vor ein paar Wochen war ich mal wieder bei so einer Show und dachte mir: „Das kann ich auch!“, dann hab ich ewig viel überlegt, was man sagen könnte. Die erste Show muss dann ja auch gut sein und man will sich ja auch nicht lächerlich machen – wohl die einzige Situation, in der man hofft, dass die Leute lachen. Ich hab mir immer mehr Shows angesehen und auch verschiedene Leute bei Youtube analysiert, bis ich irgendwann keine Lust mehr hatte, mir so viele Gedanken zu machen.

Also hab ich ein Set geschrieben, mit dem ich auf meine 5-6 Minuten komme, was ich inhaltlich gut fand, aber ohne den Anspruch, damit den mega Auftritt als neues Comedy-Naturtalent die Bühne zu rocken. Ich wollte einfach erstmal den ersten Schritt hinter mich bringen. Natürlich ist ein bisschen eigener Anspruch ganz gut, aber er soll schließlich helfen, anstatt sich in den Weg zu stellen.

Angemeldet habe ich mich beim KussKuss Komedy im Deriva in Neukölln (Nähe Boddinstraße). Das war witzigerweise eine der wenigen Bühnen, die ich noch nicht besucht hatte, aber da hatte ich schon aufgegeben, mir zu viele Gedanken zu machen.

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Leider hab ich erst danach festgestellt, dass viele meiner Freunde – inklusive mein Freund, dessen Anwesenheit auf jeden Fall geholfen hätte! – an dem Tag gar nicht konnten … Alleine war ich zum Glück trotzdem nicht. Eine sehr liebe Freundin und ehemalige Mitbewohnerin von mir saß in der ersten Reihe zusammen mit ihrem Freund (auch guter Freund und ehemaliger Mitbewohner :)) und hat direkt noch 5 Leute mitgebracht, um mich anzufeuern. Insgesamt habe ich den ganzen Tag richtig viel Unterstützung bekommen! Meine Eltern, meine Freunde und mein Liebster haben alle an mich gedacht, ich hab Glücksbringer und zauberhafte Worte geschenkt bekommen und bin mit vollendst gestärktem Rücken in die U-Bahn Richtung Neukölln gestiegen. Das war wirklich wahnsinn, dass hab ich in dem Ausmaß noch nie erlebt! Ich glaube, das war fast das Schönste an der ganzen Erfahrung, mit wie viel Liebe ich von allen Seiten angefeuert wurde <3 Dafür möchte ich mich noch mal ganz herzlich bedanken!

Der Abend der Wahrheit

Als ich ankam, musste erstmal noch ein Bier sein – die Rescue Tropfen alleine haben meine Aufregung nicht gelindert. Zwei Tage vorher war ich total entspannt, aber dann hab ich das Line Up gelesen und festgestellt, dass die anderen alle schon richtig lange Comedy machen und da ging die Aufregung los. Dienstag nur ein bisschen mulmig, aber Mittwoch dann schon so sehr, dass ich mich kaum auf meine Arbeit konzentrieren konnte. Cosmo war schon ganz wuschig, weil ich die ganze Zeit durch die Wohnung gelaufen bin 😀

Angekommen, bin ich fast nicht zur Tür rein, weil ich so aufgeregt war. Zum Glück hat mich meine Freundin einfach reingeschoben, ehe ich lange zögern konnte. Es waren erstmal nur ein paar der anderen Comedians da, man hat sich vorgestellt, die kannten sich alle schon und ich stand ein wenig daneben und hab zugehört. Aber sie waren alle sehr nett und ich hab sehr netten Welpenschutz bekommen. Insgesamt scheint es ja nicht so viele Frauen in der Comedy-Szene zu geben und auch an diesem Abend war außer mir nur noch ein Mädchen da. Wird ja Zeit, die Quote da noch ein wenig aufzubessern!

Ich war als 4. dran und als Vorletzte in der ersten Runde. Das war wahrscheinlich die ideale Position, denn dann hatte das Publikum schon ein paar gute Sachen vor mir gehört, aber auch nicht zu viel erwartet, weil ich nicht so weit hinten stand. Als die Leute vor mir dran waren, war ich ziemlich entspannt. So eine halbe Stunde vorher hat mein Körper wahrscheinlich einfach keine Lust mehr auf den permamnenten Adrenalinausstoß gehabt und mich ein bisschen zur Ruhe kommen zu lassen. Als der Host mich dann aber angekündigt hat, ging mein Herz nochmal in einen Medaillensprint über und mich überkam die völlig irrationale Angst, dass ich meinen Einsatz verpasse, wenn ich jetzt nicht sofort nach vorne gehe.

Mein Set hatte ich natürlich total oft geübt und zum Glück auch so geschrieben, dass eine Story in die andere über ging. So musste ich mir keine Notizen machen und wusste sicher, dass wenn ich den Anfang nicht verfehlte, ich auch meinen Weg zum Ende finden würde. Und das hat dann auch – Gott sei dank! – genau so geklappt! Ich habe nicht so schnell gesprochen, wie ich gekonnt hätte und die Leute haben wirklich gelacht! Es ist also viel besser gelaufen als erwartet!

Zum Glück sind 5 Minuten ja nicht so lang und nachdem ich meine Witze duchgerattert hab, bin ich wieder runter und dann war’s auch schon vorbei und ich schlichtweg glücklich. In der kurz darauf folgenden Pause kamen meine Freunde ganz begeistert zu mir und sogar der Host hat mir mit einem „Gutes Set“ noch mal auf die Schulter geklopft! Ich für meinen Teil war für den Rest des Abends einfach nur noch ein großes Strahlegesicht.

Das Beste ist, es gibt sogar ein Video, damit ich mich auch nach Jahren noch an diesen Auftritt erinnern kann. Ob ich das je ins Internet stelle, muss ich mir allerdings noch überlegen 😉

Moral von der Geschichte: Sich solch ein Ziel zu setzen und sich mal wieder was zu trauen, ist wie ein Abenteuer vor der Haustür! Meine Kreativität ist in den letzten Wochen wieder richtig ins Rattern gekommen und die Unterstützung durch meine Freunde und Familie war einfach sagenhaft! Also los, traut euch auch – ihr werdet sehen, ihr werdet es nicht bereuen!