IM GESPRÄCH MIT CARINA BARTSCH

Interview vom 10.11.2013 mit Carina Bartsch,
Gründerin des Schandtaten Verlags und Autorin von „Kirschroter Sommer“ (hier im Original nachzulesen)

     Caro, du hast Medienwissenschaften, Anglistik und Kommunikation in Leipzig studiert und machst derzeit deinen Master in Englischer Literatur in Berlin. Wann überkam dich die Idee, selbst zum Stift zu greifen, und was war der Auslöser?

Geschichten erzählt hab ich schon als Kind, aber damals eben nur mit Kuscheltieren und Bilderbüchern. Richtig bewusst geschrieben habe ich dann mit 14 das erste Mal – die Ergebnisse würde ich heute aber niemandem mehr zeigen. Sie existieren auch gar nicht mehr, aber die Erinnerungen allein sind schon schlimm genug. Auslöser dafür waren Mangas und eine Menge Fangeschichten im Internet. Ich habe meine Umwelt ganz genau beobachtet und unzählige Handlungen geschmiedet, die es aber zumeist nicht aufs Papier geschafft haben. Ab ungefähr 16 habe ich den Stift nur noch fürs Tagebuch rausgeholt … bis ich 2009 wieder mit selbstgeschriebenen Romanen in Kontakt gekommen bin und dachte: Das kann ich auch! Und plötzlich waren da wieder all diese neuen Ideen und ich hab mich erinnert, wie viel Spaß dieses Planen und Zusammenspinnen gemacht hat!

     Von Kuscheltieren zu Romanen – die Anfänge sind doch immer wieder interessant. Das geschriebene Wort begleitet dich also schon eine ganze Weile in deinem Leben. Würdest du sagen, dass es eine besondere Bedeutung für dich hat? Und wenn ja, wie würdest du diese Bedeutung definieren?

Ja, natürlich! (Wäre schlimm, wenn nicht, oder?) Mein Kopf ist einfach immer voll mit Tagträumen und das Schreiben gibt mir die Möglichkeit, sie festzuhalten. Dadurch, dass andere sie lesen können, werden sie (beinahe) real, hihi.

     Wenn man ein Buch von Caroline Richter in die Hand nimmt, was darf man als Leser erwarten? Was sind die Themen, die dich bewegen, und welche Art von Geschichten schreibst du?

Irgendwie verdrehe ich alles, was ich sehe, in meinem Kopf zu einer Liebesgeschichte – egal, ob ich ein Gespräch in der U-Bahn überhöre oder ein Geschichtsbuch lese. Sobald ich zwei spannende Charaktere sehe, male ich mir bereits ihre Beziehung aus. Liebe ist eben das, was jeden von uns am meisten beschäftigt, ganz gleich ob wir ansonsten Putzfrauen oder Politiker sind. Es ist egal, ob wir auf den strahlenden Prinzen warten oder uns jedes Wochenende mit jemand anderen amüsieren – tief in uns wollen wir doch alle das Gleiche. Bei keinem Thema finde ich die Ängste und Hoffnungen so faszinierend. Das wirklich Wichtige im Leben sind die Menschen um uns herum und die Beziehungen, die wir zu ihren führen, und deswegen wird es sich bei mir auch immer darum drehen.
Ansonsten geht es bei mir nicht ohne Spaß! Wenn jemand über meine Witze lacht, ist er sich meiner ewigen Loyalität sicher :P Also schreibe ich am ehesten fluffige – und hoffentlich komische – Romanzen.
Einer meiner Träume wäre es daher allerdings, mal ein richtiges Drama zu schreiben! Das finde ich unheimlich schwer.

     Da ich über deine Witze gelacht habe, gehört mir also deine volle Loyalität. Gut zu wissen, wird sofort notiert. Mit deinen 23 (bald 24) Jahren bist du noch relativ jung, Caro, und trotzdem stehst du kurz vor deiner ersten Buchveröffentlichung.  Wie fühlt sich das an? Muss das nicht wahnsinnig aufregend sein?

Na klar ist das aufregend! Das ist, denke ich, sicher immer was super Besonderes, egal, wie alt man ist. Und eigentlich fühle ich mich auch gar nicht so jung, es gibt doch so viele begabte Menschen da draußen. Andererseits … ist es wirklich ganz schön krass. Du kannst das doch selbst am besten nachvollziehen, oder? Ich glaube, ich habe auch noch nicht ganz realisiert, dass es wirklich passiert …

     Spielst du auf meine Aufregungs- und Nervositätskollapse der letzten zwei Jahre an? Ach, die sind doch nicht der Rede wert … Die fünfhundert da, pff. Aber keine Angst, glücklicherweise musst du nicht allein durch, ich werde schön dein Händchen halten. Ich selbst schreibe ja immer nach dem Motto „Geschichten muss man nicht nur lesen, man muss sie spüren“, nun ist genau dieses Motto zu meinem Verlagsmotto geworden, und ihr beide, sowohl du als auch André, erfüllt es mit Bravour. Wie schaffst du es, dass man die Geschichte von Lea und Noel so mitfühlen kann? Und welche Ansprüche stellst du an dich selbst als Autor?

Puh, du stellst Fragen … Das soll ich jetzt in nur zwei-drei charmanten Sätzen beantworten?

     Nein, du darfst selbstverständlich auch mehr als zwei Sätze verwenden. Und „charmant“ war auch nie Pflicht :’)

Gut zu wissen. Ich glaube/hoffe, dass Lea und Noel als Charaktere sowie ihre Beziehung viel von den Unsicherheiten wiederspiegeln, unter denen Menschen heutzutage leiden. Dazu mixe ich die Romantik meiner Disney-inspirierten Hoffnungen und tadaa – fertig ist „Dezembergeheimnis“! Denn sind wir mal ehrlich: Obwohl uns allen so viel Romantik im Alltag verloren geht, sehnen wir uns doch eigentlich danach, oder nicht? Mir geht es beim Schreiben meist um den unschuldigen Aspekt des Verliebens. Das hat so was Unberührtes, Zartes, was inzwischen leider so selten geworden ist. Mein Anspruch ist, Leute zu inspirieren, ehrlicher zu sich selbst zu sein und in ihrem Leben wieder mehr Raum fürs Träumen einzurichten.


Interview vom 19.02.2014 mit Jasmin,
Buchbloggerin auf Meine Lieblingsbücher (hier im Original nachzulesen)

IM GESPRÄCH MIT JASMIN

     Liebe Caroline, erzähl erstmal ein wenig über dich:

Hallo liebe Jasmin! Also, ich bin 24 und mache derzeit meinen Master in Englischer Literatur in Berlin. Hier wohne ich in einer 8er-WG, da ist immer was los! Aber das bin ich gewohnt (in Leipzig, wo ich die letzten 5 Jahre gelebt und studiert hab, habe ich in einer tollen 5er-WG gehaust) und das brauche ich auch! Alleine komme ich auf Dauer gar nicht klar. Ich liebe Disney-Filme und stehe häufig singend in der Küche und backe für meine Mitbewohner. Leider bin ich überhaupt nicht sportlich und einen grünen Daumen hab ich auch nicht … dafür kann ich mir keinen Witz verkneifen. Im Moment versuche ich, mir einen ausgewogenen, entspannten Lebensstil anzugewöhnen, bei dem sowohl Arbeit als auch Entspannung nicht zu kurz kommen. Seit dem hab ich endlich wieder richtig viel Zeit zum Lesen und Berlin zu erkunden!

     Julia hat uns beim ersten Schritt der Blog Tour schon dein Buch näher gebracht, warum hast du dich eigentlich für ein eBook entschieden?

 Das war nicht unbedingt eine Entscheidung ausschließlich für das eBook. Nachdem Carina Bartsch vom Schandtaten Verlag zugestimmt hat, mein Buch zu veröffentlichen, wollten wir die Geschichte wegen ihres Weihnachtsbezugs unbedingt noch zur Adventszeit rausbringen und das hätten wir mit der Printversion zeitlich einfach nicht geschafft. Daher starteten wir erst mit dem eBook. Am Buchsatz der Printversion sitzen wir gerade; der Erscheinungstermin lässt da also auch nicht mehr so lange auf sich warten.

Trotzdem war für uns von Anfang an klar, dass das eBook mit zum Sortiment dazu gehören muss. Der Markt hier wird immer breiter und lässt sich auch schon gar nicht mehr wegdenken. Gerade in dem Genre von „Dezembergeheimnis“ ist die Rezeption von eBooks sehr groß, da hat sich diese Entscheidung gar nicht wirklich gestellt.

     Woher bekammst du die Idee auf diesen Weg einem Traummann zu erschaffen?

Hehe, wer kommt nicht auf diese Idee? Ich hab vor Jahren mal eine solche Backmischung bei IKEA gesehen und fand das sehr witzig – seitdem geisterte mir diese Idee im Kopf rum. Wenig später hatte eine Freundin von mir Geburtstag und als Geschenk entstand das erste Kapitel von „Dezembergeheimnis“. Jedoch hatte ich da noch nicht geplant, die Story darum mal so weit zu spinnen und dann auch noch zu veröffentlichen.

     Hast du menschliche Vorbilder für Noel und Lea, oder hast du die beiden Charaktere einfach so aus dem Ärmel geschüttelt?

Nein, ehrlich gesagt gibt es keine direkten Vorbilder für die beiden. Allerdings muss ich zugeben, dass sicher viel von mir selbst in die Charaktere – alle Charaktere – mit eingeflossen ist. Und selbst wenn ich mich an realen Personen orientiere, entwickeln die Protagonisten auf dem Papier irgendwann ein Eigenleben. Zum Glück! Mir wäre es furchtbar peinlich, wenn jemand ein Buch von mir lesen und denke würde: Die hat mich in ihrem Roman verarbeitet!

     Du bist selbst ein große Leseratte – welches ist den dein Lieblingsbuch und warum?

Ja, das ist richtig … anders als andere stelle ich mir keine Neujahrsvorsätze wie „Du musst 10kg abnehmen“, sondern „Versuch, so und so viele tolle, neue Bücher zu lesen und Filme zu schauen!“. Mein Lieblingsbuch ist schwierig zu benennen … Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wohl „The Sea Lady“ von H. G. Wells sagen. Da geht es um eine Meerjungfrau, die um die Jahrhundertwende in England auftaucht und dort mit ihrer Unsterblichkeit das Leben der viktorianischen Gesellschaft auf den Kopf stellt. Ich liebe solche Adaptionen bekannter Legendenfiguren! Zurzeit bin ich aber auch großer Game of Thrones-Fan …

     Die Meinungen zu deinem Werk sind sehr postiv, macht das Mut zum weiterschreiben oder hast du gemerkt das Schreiben nicht so deins ist?

Ich schreibe auf jeden Fall weiter! Ich würde fast behaupten, dass ich auch weiterschreiben würde, wenn die Meinungen allgemein schlecht ausgefallen wären – allerdings will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, das Ego des Autoren ist ja bekanntlich fragil 😉 Allerdings macht die positive Resonanz natürlich alles viel einfacher (und schöner! Hach, wie mein Herzchen sich bei jedem lieben Wort freut!). Die erste Publikation ist ja schon so etwas wie eine Feuertaufe – hätten mich jetzt alle verrissen, würde es auch für weitere Bücher schwerer werden. Von daher bin ich unglaublich erleichtert! Ohne Schreiben wüsste ich aber auch gar nicht wohin mit mir; da sind ständig irgendwelche kleinen Geschichten in meinem Kopf und wenn ich die nicht aufschreiben würde, würde ich wohl irgendwann platzen!

Zurzeit arbeite ich auch bereits wieder an einem gänzlich neuen Werk, aber ob, wann und wie das veröffentlicht wird, steht noch auf einem anderen Blatt. Das wird dann wieder eine komplett neue Herausforderung, bei der es heißt, Verleger und Leser zu überzeugen. Und bisher gilt meine Hauptaufmerksamkeit ja auch immer noch „Dezembergeheimnis“.

     Wenn du dein Buch mit drei Worten beschreiben müsstest, wäre das …

Märchen, Selbstfindung, Herzklopfen

     Eine Frage zu dir, wenn du dir einen Traummann backen könntest, wie würde dieser aussehe? 🙂

Hihi, welch schöner Zufall. Erst gestern saß ich mit zwei sehr guten Freundinnen bei einem Bier zusammen und wir haben genau über dieses Thema mal wieder philosophiert. Er sollte größer sein als ich und nicht zu muskulös. Ansonsten bin ich aber überhaupt nicht aufs Äußerliche festgelegt; ein Mann muss mich wie Lea leider auch immer mit seinem Charakter überzeugen 😀 Da ist mir vor allem Humor und Begeisterungsfähigkeit wichtig!

     Mittlerweile gibt es schon wirklich viele eBook-Verlag, warum hast du dich für den Schandtaten Verlag entschieden?

 Carina Bartsch, die Gründerin des Schandtaten Verlags, und ich kennen uns schon seit ein paar Jahren. Ich habe den ganzen Prozess der Verlagsgründung und ihrer Selbstveröffentlichung miterlebt und wusste daher, wie viel Arbeit und Liebe sie in dieses Projekt gesteckt hat. Ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeit und ihrem Engagement; es ist einfach unglaublich, wie sie sich durch alles durchbeißt. Wie sie durch unermüdliche Arbeit zu ihrem Erfolg kommt, ist sehr inspirierend.

Dazu kommt, dass wir beide seit jeher eine sehr ehrliche Beziehung zueinander pflegen, vor allem auch was das Schreiben angeht. Entweder sind wir uns zu 100 Prozent einig oder wir sind zu 100 Prozent unterschiedlicher Meinung. Daher wusste ich, sollte ich ihr mein Manuskript geben, würde sie es aus den Augen einer Verlegerin und Autorin betrachten und mich nicht mit Samthandschuhen anfassen. Ich bin sehr froh, dass ich mit „Dezembergeheimnis“ Teil des Schandtaten Verlags geworden bin, denn ich fühle mich in absolut wohlwollenden, bemühten und vor allem kompetenten Händen!

     Und zum Abschluss: Wie reagierst du eigentlich darauf das dein Buch bei deinen Testleser/innen so gut ankommt? 🙂

Sagt dir der Duracell-Hase was? Nein, im Ernst, das gibt das BESTE, ungelogen das ALLERBESTE, Gefühl der Welt – sogar noch vor Pizza und Schokoladeneis.

Kurz vor der Veröffentlichung wurde mir plötzlich klar: Bald kann jeder dein Buch lesen; jeder kann sich ein Urteil über dich und deine Schreiberei machen. Die Nachbarn, die ehemaligen verhassten Klassenkameraden, der süße Arbeitskollege … und alle könnten es richtig schei*e finden. Da bekommt man schon Muffensausen. Mir bedeutet „Dezembergeheimnis“ unglaublich viel, deswegen ist es ein ganz ungeheuer toll, wenn sich die Leser darauf einlassen und am Ende mit dem Gefühl rausgehen, Teil einer schönen Geschichte geworden zu sein. Eine positive Rezension fühlt sich an wie eine richtig feste Umarmung. Genauso wie eure Mühen in dieser Blogtour! Vielen Dank für das nette Interview! 🙂

     Ich danke dir, liebe Caroline für die Antworten!