ACHTUNG: Wem das zu viele Informationen über den Uterus sind, wartet mit jeglichem weiteren Geschlechtsverkehr bitte, bis seine Eltern ihn nicht mehr aus dem Spieleparadies abholen müssen.

So, liebe Mädels und Jungs, ich plausch heute mal ein bisschen aus dem Nähkästchen, weil ich gerne ein wenig Aufklärung betreiben würde. Und zwar habe ich mir heute eine Kupferkette legen lassen, auch Gynefix genannt. Da ich unter meinen Freundinnen schon mitbekommen habe, dass viele noch nie was davon gehört haben, dachte ich, ich teile mal meine bisherigen Erfahrungen.

Hormonspiralen und Kupferspiralen sind den meisten Leuten ja hinreichend bekannt. Hier nochmal zum Vergleich:

Spiralen haben diese schöne T-Form, denn irgendwie sollen sie in der Gebärmutter ja auch halten und nicht einfach wieder beim nächsten Klogang rausrutschen. Ihr habt gehört, dass man nach dem Einsetzen nicht mehr aufhört zu bluten oder die Schmerzen unerträglich werden? Kein Wunder, diese kleinen Ärmchen können sich schließlich wunderbar verfangen, die Gebärmutter schädigen, wandern gehen und und und. Das ist einer der Gründe, warum bis vor einigen Jahren noch gesagt wurde, dass Spiralen nur für Frauen geeignet ist, die bereits Kinder hatten: Die Gebärmutter ist bereits gedehnt und es ist „nicht ganz so schlimm“, wenn da doch mal was ~schief geht, á la, ups, wir müssen wohl leider komplett die Gebärmutter rausnehmen. Das ist natürlich der Extremfall, aber eben dennoch möglich.

Um auch Nicht-Müttern die Spirale schmackhaft zu machen, wurden einfach kleinere Spiralen entwickelt. Leider nimmt sich nicht jeder Gynäkologe die Zeit, die Größe der Gebärmutter auszumessen. Viele haben einfach eine Lieblingsspirale oder einen Deal mit einer gewissen Firma und dann wird das Ding halt reingerammt, wo Geld aufn Tisch kommt. (Kostengünstig sind die Dinger nämlich auch nicht gerade. Man kann mit etwa 200-400€ rechnen, inklusive des Eingriffs.)

Dass die Pille großer Hormonkack ist, ist inzwischen ja hinreichend bekannt; die Hormonspirale wirbt mit geringerer Hormonabgabe, da sie ja praktisch direkt „vor Ort“ arbeitet. Hormone bleiben jedoch Hormone, weswegen viele lieber zur Kupferspirale greifen. Diese wurde bereits – in abgewandelter Form – zu Beginn des 20. Jh. benutzt. Obwohl die hormonellen Nebenwirkungen entfallen, bleiben die oben erwähnten Verletzungsrisiken usw.

Was macht die Gynefix nun also besser?

Funktionieren tut diese Gynefix ähnlich wie die Kupferspirale: Anstatt Hormone abzugeben, sondert sie geringe Mengen Kupfer ab, wodurch Spermien unbeweglich und unfruchtbar gemacht werden. Auch verändert das Kupfer die Flora in der Gebärmutter so, dass eventuell doch befruchtete Eizellen sich nicht einnisten können. Klingt und ist immer noch nicht wirklich natürlich, aber ja, die Wahlmöglichkeiten sind nun mal leider begrenzt.

In Deutschland ist die Kette noch nicht so bekannt, wahrscheinlich weil wir ohnehin eine sehr Pillen-dominierte Nation sind. Es gibt auch gar nicht mal so viele Ärzte, die sie legen können, weil das ein bisschen an Übung bedarf, dabei gibt es die Gynefix auch schon seit mindestens 20 Jahren.

Die Kette ist, wie der Name schon sagt, eine kleine Schnur, auf der 4 oder 6 (abhängig von der Größe der Gebärmutter) kleine Kupferzylinder aufgefädelt sind. An einem Ende ist ein etwas größerer Knoten – der wird mit einem Applikator an der Decke der Gebärmutter zwischen die Muskelfasern geschoben, sodass er da verhakt ist. Da die Kette zwischen den Gliedern knicken kann, kann sie sich nirgendwo verkeilen wie etwa die unbiegsame Spirale.

Im schlimmsten Fall kann der Knoten natürlich rausrutschen und man verliert die Kette. Normalerweise sollte man sie dann aber im Schlüppi finden, aber na ja, manchmal eben auch nicht – die noch auffälligeren Spiralen sind auch schon bei der einen oder anderen verloren gegangen. Wie bei Spiralen hat man etwa 5 Jahre was von dem Spaß.

Was mich von der Gynefix überzeugt hat

Von der Pille bin ich schon seit Jahren weg und ich hab mir auch geschworen, nie wieder zu den Hormonen zurückzukehren. Einmal im Monat haben die ohnehin schon die komplette Kontrolle über mich, dann bitte nicht auch noch chemisch dazu gemischt. All diese Nebenwirkungen … nö, einfach nö.

Daher waren für mich Kondome in den letzten Jahren die stetigen Begleiter. Ich denke, ich spreche für alle, dass Sex mit Kondomen durchaus … Steigerungspotential hat. Und nachdem ich irgendwann den dritten Folgemonat in der Apotheke meines Vertrauens stand, um mir die Pille danach zu besorgen, war klar, dass das so nicht weitergehen kann. Ich verzichte schließlich nicht auf Hormone, um mir bei jedem Latexplatzer die dreifache Dröhnung zu geben.

Temperatur messen und Zervixschleim beobachten ist zwar am natürlichsten, aber dafür ist bei mir vom Lebensstil bis Zyklus alles zu unregelmäßig. Und ich fand es ja schon schwierig, täglich an die Pille zu denken, trotz Wecker, wie unmöglich würde das erst mit täglichem Temperaturmessen werden? Ein Kind ist im Moment bei mir einfach absolut noch nicht vorgesehen und da blieb mir diese Methode zu unsicher. Das gleiche gilt für die Liste aus Hormonpflastern, injizierte Stäbchen unter der Haut, Diaphragmen und den Nuvo-Ring. Hormone UND noch unsicher? Ähm, nope?

Spiralen waren aber auch von Anfang an raus, egal ob mit Hormonen oder nicht. Allein das Gegenargument der stärkeren Menstruationsschmerzen war für mich ein absolutes No-Go. Leute, die mich persönlich kennen, wissen, wie sehr ich darunter ohnehin schon leide, sodass ich mir noch schlimmer nur mit Ohnmachtsanfällen vorstellen könnte.

Das machte mich wirklich ratlos. Vielleicht einfach doch Sterilisation? 😉 Zu schade, dass das Vasalgel wohl auch noch ein wenig dauern wird, bis es an den großen Pharmakonzernen vorbei gekommen ist.

Schließlich bin ich durch Zufall auf die Gynefix gestoßen, die ein Frauenarzt praktisch bei mir um die Ecke legt. Idealerweise veranstaltet die Praxis Jandi&Pett auch regelmäßige Infoveranstaltungen, wo ich mich spontan mal angemeldet habe. Alle Fragen wurden ausgeräumt. Keine erhöhten Schmerzen, kein erhöhtes Infektionsrisiko, keine Hormone, keine längerfristige Beeinträchtigung der Gebärmutter. Die Wirkung des Kupfers hat mich noch nicht so hundertprozentig überzeugt, aber hey … der Mangel an Alternativen hat den Rest erledigt.

Wie lief der Eingriff ab?

Man braucht eine aktuelle Krebsvorsorgeuntersuchung sowie eine aktuelle Chlamydienuntersuchtung (beide bitte negativ). Wenn man arm ist wie ich, kann man sich die Gynefix vom Gesundheitsamt bezahlen lassen (immerhin etwa 130€). Vorab wird per Ultraschall untersucht, ob die Gebärmutter geeignet ist; heißt wie dick ist die Wand, wie groß der Platz generell usw.

Wenn man sich die Kette nicht während der Periode einsetzen lässt, wo der Gebärmutterhals auf natürliche Weise geöffnet ist, bekommt man danach ein Medikament, das das für einen übernimmt. (Anm. d. Red.: Bei mir hat das typische Menstruastionskrämpfe ausgelöst, also lag ich irgendwann kümmerlich auf einer Liege im Hinterzimmer.) Das Schmerzmittel, was es dazu gibt, war bei mir wohl ein bisschen langsam, denn normalerweise bekommt Frau wohl nicht solche starken Krämpfe.

Als sich meine Gebärmutter schließlich ausgebitcht hat, kam ich auf den normalen Untersuchungsstuhl. Man kann sich aussuchen, ob man gerne eine örtliche Betäubung haben möchte oder nicht. Ich hab mich dafür entschieden, kann jetzt aber nicht behaupten, dass es nicht wehgetan hätte – eher im Gegenteil. (Aber den Statistiken des Arztes zufolge ist es wohl für sehr viel weniger Frauen schmerzhaft, die sich für die Betäubung entscheiden). Der Eingriff ist innerhalb von 5 Minuten erledigt. In diesen 5 Minuten hab ich allerdings die schlimmsten Schmerzen meines bisherigen Lebens durchlitten. Alter Falter, wenn eine Geburt DAS in 12h ist, geb ich direkt auf.

Danach war ich für mindestens eine Stunde noch völlig fertig. Ich konnte weder richtig reden, noch tippen und hab nur teilnahmslos auf meinen Facebook-Newsfeed gestarrt. Inzwischen geht es aber wieder und ich fühl mich wie bei einer normalen Periode. In meinem Unterbauch herrscht immer noch ein gewisser, unangenehmer Druck, aber ich werde im Kopf wieder klar und konnte ja auch inzwischen diesen Artikel schreiben.

7 Tage lang hab ich jetzt schön Ruhe verordnet bekommen (u.a. kein Leistungssport, hm, wie schade) und in ein paar Wochen wird nachkontrolliert, ob auch alles da sitzt, wo es sitzen soll. Wenn Interesse besteht, kann ich ja in ein paar Monaten mal berichten, wie es mir bis dahin ergangen ist.

/medical-Caro out