(c) Sarah Insel

Heute möchte ich gerne über ein Thema schreiben, die mich vor allem in der letzten Zeit viel beschäftigt hat. Es geht um eigene Unsicherheiten und was passiert, wenn man diese in seine Beziehung trägt.

Ich denke, keiner ist davor gefeit, mal an sich selbst zu zweifeln. Sei es das Aussehen, die Intelligenz, der Sinn für Humor, das Gehalt (obwohl ich bei Gott hoffe, dass das nur die Wenigsten betrifft) oder viele andere Sorgen. Leider, leider werden wir auch zu dem Glauben erzogen, dass wir die wahre Liebe dann gefunden haben, wenn es keine Zweifel mehr gibt. Und wirklich, verliebt man sich und es beruht auf Gegenseitigkeit, sieht es erstmal so aus, als wäre genau das das Happy End. Der andere gibt uns das Gefühl, dass wir endlich nicht mehr an uns zweifeln müssen und das Leben scheint perfekt.

Nun werden wir aber alle langsam erwachsen und verstehen, dass Liebe und Beziehungen nicht so einfach funktionieren, sondern erst da richtig anfangen, wo die romantischen Bücher und Filme enden. Die Zweifel kommen wieder, denn das große Geheimnis ist: Sie kommen aus einem selbst.

Waiting for someone else to make you happy is the best way to be sad.

Mit dieser Weisheit sind heute schon viele vertraut. Keiner kann dich langanhaltend glücklich machen; glücklich sein kannst nur du selbst. Ganz vergleichbar ist es mit den Zweifeln. Die große Liebe gefunden zu haben, bedeutet nicht, dass der andere in der Lage ist, Zweifel auf magische Weise einfach immer wieder wegzuwischen. Er/Sie kann dich maximal auf dem Weg begleiten und unterstützen, sie selbst zu überwinden.

First things first: Unsicherheiten erkennen

Natürlich ist die Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung, dass man vom Partner geliebt wird, wie man ist. Und hat man dann jemanden gefunden, bei dem man denken kann „Ich verhalte mich gerade wie ein totaler Volldepp“ ohne direkt befürchten zu müssen, verlassen zu werden, hat man schon ein ziemlich gutes Los im Liebeslotto gezogen. Trotzdem schleichen sich immer wieder so nervige Sachen ein, die eine Beziehung so viel schwerer machen können, als sie eigentlich sein müsste. Die meisten werden von eigenen Unsicherheiten hervor gerufen. Für einen selbst ist es jedoch manchmal schwierig, diese als Ursache zu benennen.

Eifersucht? Selbstzweifel? Man möchte am liebsten jeden Tag den ganzen Tag, wie lieb der andere einen hat? Da liegt auf der Hand, dass man sich selbst einfach nicht zutraut, den Partner von allein halten zu können. Selbst wenn der/die Liebste/r einem den Gefallen tut und den Liebesschwur immer und immer wiederholt – man wird schnell merken, dass es nicht hilft. (Anm.: Der Einfachheit halber fürs Gendern übersetze ich Partner ab jetzt mit your beloved.)

Your beloved hat wahrscheinlich seine eigene Art und Weise, dir seine Zuneigung zu zeigen und genau die gilt es, verstehen zu lernen. Ich befand mich mal in einer Beziehung mit einem Mann, der nicht gerne über seine Gefühle geredet hat. Von ihm habe ich folgende Weisheit gelernt:

Wenn du mir nicht glaubst, dass ich dich liebe, durch die Art und Weise wie ich dich behandle, dann glaubst du es mir auch nicht, wenn ich es dir sage.

Damit hatte er Recht. Ich war zwar ein bisschen vor den Kopf geschlagen, weil ich es schon gerne gehört hätte, aber nachdem ich drüber nachgedacht habe, konnte ich ihm nur zustimmen. Sein Verhalten hat seine Gefühle für mich deutlich gespiegelt – er musste das gar nicht weiter kommentieren. Und heißt es nicht auch: „Taten sagen mehr als tausend Worte“?

Was mich aber vor allem nachdenklich gestimmt hat, war der letzte Teil seiner Aussage: Dass mich die bloßen Worte nicht überzeugen würden. So richtig wollte ich mich nicht damit abfinden, denn man hört die Worte „Ich liebe dich“ ja trotzdem gerne. Ebenso wie andere, denn das ist ja nicht die einzige Unsicherheit, die einen in einer Beziehung plagen können. Findet my beloved mich attraktiv, klug, witzig genug? Vermisst er/sie mich, denkt er/sie an mich, will er/sie eine gemeinsame Zukunft? Findet er meine Vorschläge doof, stinke ich, mag er/sie meine Freunde? Er/sie sagt ja gar nichts!

Doch jedes Mal, wenn ich meine Frage offen stelle, erinnere ich mich an das Zitat. Na klar, kann ich my beloved fragen, ob mir das Kleid steht, solange – und das ist der Knackpunkt – ich wirklich seine Meinung dazu wissen möchte. Bin ich aber nur auf Komplimente aus, befriedigt mich die Antwort in den seltesten Fällen.

Etwas anderes ist es, wenn du dir von your beloved in gewissen Bereichen mehr Feedback wünschst. Es gibt einen Unterschied zwischen „Du kannst mir ruhig mal sagen, dass ich gut aussehe“ und „Ich würde mich freuen, wenn du mich ab und zu wissen lässt, wie dir mein Outfit gefällt“. Der andere hat vielleicht nicht mal auf dem Schirm, dass euch seine/ihre Meinung dazu interessiert.

Und was hat Vertrauen damit zu tun?

Stell dir vor, du kochst jeden Tag und your beloved isst jeden Tag einfach schweigend alles auf. Ein kleines Lob für deine Kochkünst ist doch wahrlich nicht zu viel verlangt, oder? Aber vorsicht, hier schießt man sich gerne selbst ins Bein. Spricht du das Problem an und your beloved sagt beim nächsten Essen: „Die Lasagne schmeckt wirklich hervorragend!“, und deine gedankliche Reaktion ist: Das sagt er/sie doch jetzt nur, um mich zufrieden zu stellen, provoziert das gerne direkt den nächsten Streit.

Eine Zwickmühle. Oder? Das muss es gar nicht sein, nur wenn du deinem beloved auch die Möglichkeit gibst, es besser zu machen. Man kann es auch so sehen: Vielleicht ist es dein beloved nicht gewohnt, Komplimente fürs Kochen zu verteilen, also könnten die ersten Versuche durchaus einfach etwas holprig ausfallen. Das Wichtigste ist jedoch, dass du ihm/ihr vertraust, dass er/sie es ernst meint.

Vertrauen ist eine der wichtigsten Grundpfeiler in einer Beziehung – da erzähle ich jetzt niemandem etwas Neues, aber manchmal vergisst man das vielleicht oder übersieht, dass Vertrauen nicht nur im Bezug auf Treue angewendet werden kann. Vertrau ihm/ihr, dass er/sie mit dir zusammen sein möchte, dass er/sie seine/ihre Zeit mit dir genießt, dass er/sie denkt, du seist die tollste Person auf der Welt. Vertrau ihm/ihr, so wie du ihm/ihr in den ersten Wochen geglaubt hast.

Das gesagt, bleibt eine Beziehung natürlich eine Angelegenheit zwischen zwei Personen und natürlich ist auch der Fall möglich, dass man vom Partner überhaupt keine Bestätigung bekommt, egal wie sehr man die Antennen ausstreckt. Dann sprecht es an! Niemand ist von Anfang an perfekt und Beziehungen sind eine verflixt sensible Sache!

Was ich im Endeffekt sagen will: Schaltet ruhig mal den Kopf aus und hört auf euer Bauchgefühl. Wenn sich die Sorgen danach dennoch berechtigt anfühlen, sprecht mit der Person eures Herzens und gebt ihr die Chance, es besser zu machen. Und schenkt ihr das Vertrauen, dass sie es ernst meint, sonst wäre sie nicht an eurer Seite.