… und kam als Adler zurück! Vor fast genau einer Woche bin ich zusammen mit meiner Mama nach Istanbul geflogen, um mir die Augen lasern zu lassen. Wieder Zuhause gibt’s jetzt den Erfahrungsbericht 🙂

Warum Augen lasern lassen?

Ich bin schon seit Kindertagen Brillenträgerin und ich habe es immer gehasst. Von meiner Brille bekam ich Kopfschmerzen und da konnte auch kein Optiker oder Augenarzt was dagegen tun und außerdem bin ich dafür auch ganz ehrlich zu eitel. Sobald es also gesundheitlich (aus Wachstumsgründen pipapo) vereinbar war, bin ich daher auf Kontaktlinsen umgestiegen. Damit war ich auch eigentlich ganz zufrieden, außer dass man natürlich immer dran denken musste, sie abends rauszumachen, sie oft trocken wurden und man generell auf viel achten muss. Es gibt zahlreiche Gründe, warum man sie verlieren kann, ob nun beim Sport, Schwimmen oder weil sie sich entscheidet, sich mal den Hinterkopf näher zu betrachten, bis man sie dann total zerknittert wieder nach vorne bugsiert. Und vor 5 Jahren schon war meine Augenärztin total pikiert, wie sehr man den Abdruck der Linsen bereits auf meinem Auge sehen könnte, weil einfach nicht so viel Sauerstoff an das Auge kommt. Dazu kommt ein erhöhtes Infektionsrisiko, denn sind wir mal ehrlich, so oft wie ich mir wegen der Dinger in den Augen rumfummeln musste, ist einfach kein Waschbecken mit Seife vorhanden. Bindehautentzündungen und Gerstenkörner waren dementsprechend wenigstens 3-4 Mal im Jahr die Folge.

Irgendwie kristallisierte sich heraus, dass keine dieser beiden Lösungen mich auf Dauer glücklich machen. Als in meinem Bekanntenkreis dann plötzlich immer mehr Leute auftauchten, die das Lasern bereits zufrieden hinter sich hatten, war meine Entscheidung schnell gefallen.

Warum in Istanbul?

WEGEN DER KOHLE. Nein, ernsthaft, wenn du in Deutschland einen Arzt findest, der dir beide Augen mit einem guten Verfahren für 2.200€ macht, hast du sehr gut gesucht. Man kann auch gerne das Doppelte zahlen. Und wenn man sich dann noch die Rezensionen zu Kliniken wie bspw. Berlin durchliest, hat man das Gefühl, man wird nur schnell-schnell durchgewunken und das war’s.

In der Türkei (sowie vielen anderen Ländern wie Griechenland, aber auch in Südostasien!) findet man die Preise gerne um 50% günstiger (und mehr) inklusiver kompletter Betreuung in Deutsch, allen Shuttles etc. Das heißt aber nicht, dass man sein Augenlicht irgendeinem drittklassigem Tattowierer mit zweiter Geschäftsidee überlässt; der Preis reduziert sich einfach durch Sachen wie niedrigere Steuern sowie Gehälter der Ärzte. Natürlich müssen noch Flüge, Unterkunft und Verpflegung mit einberechnet werden, aber in meinem Fall hat sich sogar das noch gerechnet.

Ich habe 1.190€ (Angebot, sonst 1.290€) für beide Augen gezahlt, inklusive Vor- und Nachuntersuchung und den Großteil an Medikamenten. Dazu gehörte auch die Übernachtung für zwei Nächte für mich und meine Begleitperson inkl. Frühstücksbuffet in einem 4*-Hotel, sowie alle Shuttle-Services. Dazu bezahlen muss man die Flüge (waren bei uns 140€ pro Person ab Berlin), eventuelle extra Nächte sowie die weitere Verpflegung und was man sonst noch so macht in Istanbul. Ein Aufenthalt von 2 Nächten reicht für den Eingriff aus, aber natürlich kann man auch nach eigenem Belieben länger bleiben und Urlaub machen.

(Wir sind nur eine Nacht länger geblieben, um sicher zu gehen, dass mit den Augen alles okay ist. Ich war mir nicht sicher, wie es mir danach gehen würde und ob Urlaub dann so richtig möglich gewesen wäre, kann aber nun sagen, dass es gar kein Problem gewesen wäre. Und was gibt es cooleres als mit seinen „neuen“ Augen gleich eine wunderschöne Stadt zu erkunden?)

Wie organisiert man das?

Google: Augen lasern (Land eurer Wahl)

Dass Ausländer für Operationen wie Augenlasern, Haartransplantationen, Schönheits-OPs u.ä. wegen der günstigeren Kosten ins eigene Land kommen, ist natürlich auch dort kein Geheimnis mehr. Ich kann jetzt nicht für andere Länder sprechen, aber in der Türkei und speziell Istanbul findet man zahlreiche Anbieter mit deutschen Websites, die dann auch vor Ort deutsche Betreuung anbieten. Solltet ihr des Englischs mächtig sein, gibt es vielleicht sogar noch ein paar mehr.

Nach ein wenig Recherche habe ich mich vom Bauchgefühl her für Health Travels entschieden. Dort wird man in der Bati Göz-Augenklinik operiert, die Carl-Zeiss-Geräte verwenden – die sind sogar TÜV-verifiziert. Ich habe zahlreiche andere gute Kritiken über diese Klinik gelesen – um genau zu sein sogar keine einzige negative (das hat mich ja fast schon wieder stutzig gemacht :D). Fakt ist aber, dass Augen Lasern in einer Augenklinik praktisch einer der sichersten Operationen mit den wenigsten Risiken ist. Dadurch, dass diese Kliniken seit 20 Jahren oder so nichts anderes machen, sind sie derart spezialisiert, dass diese gruselig klingende OP für sie ein absoluter Routineeingriff ist.

Was mir an dem Angebot von Health Travels gefallen hat war, dass die Begleitperson bei der Unterbringung mit inbegriffen ist und sie sogar eine Garantie von 15 Jahren ausgesprechen (viele andere liegen bei 10 oder gar nur 5 Jahren). Schließlich hab ich mir Infomaterial zuschicken lassen und sogar einen Rückruf vereinbart, der auch am gleichen Abend noch kam. Mathias Weber, der Ansprechpartner in Deutschland, ist mit mir nochmal die komplette OP, die Organisation, die Inhalte des zu buchenden Pakets usw durchgegangen. Er war dabei sehr freundlich, aber nicht aufdringlich – und damit überzeugt man mich ja immer noch am besten 😉

Termine kriegt man ziemlich kurzfristig. Auf der Website schreiben sie, dass es auch innerhalb einer Woche möglich ist.  Wir haben einen Termin einen Monat später ausgemacht und dann ging die Planerei und die Aufregung los.

Wie war der Ablauf?

An Tag 1 fliegt man nach Istanbul und wird dort vom Flughafen abgeholt. Es dabei völlig egal, wann man ankommt – wir sind z.B. Sonntagabend ankommen. An dem Tag passiert auch nichts weiter außer das Einchecken im Hotel. Bereits im Vorfeld habe ich eine Email mit dem Ablaufplan bekommen, aber auch vor Ort habe ich noch mal mit der Betreuerin Arzu telefoniert. Arzu ist Türkin, spricht aber recht gut deutsch und englisch (und vielleicht noch andere Sprachen, wer weiß), ist jederzeit telefonisch erreichbar und bei allen Untersuchungen sowie der OP anwesend. Natürlich ist sie sehr nett – aber ohne Spaß, nach unfreundlichen Menschen mussten wir in Istanbul auch erst suchen.

Der Fahrer stand am Flughafen mit einem Schild mit meinem Namen drauf (hihi!) und dann gings in einem Kleinbus zum Hotel. Leider sprach der Fahrer nur gebrochenes Englisch, war aber auch sehr nett und wir haben uns schon irgendwie über die Tage hinweg verständigt. Zum Glück war das Hotelrestaurant nicht so teuer, denn dort haben wir künfitgen Abende jeweils gespeist, denn im Umkreis gibt’s jetzt nicht so wirklich viel zu erkunden. In Laufentfernung gibt es noch ein ziemlich großes, modernes Einkaufszentrum (das Capitol, für alle Hunger Games-Fans), aber ansonsten ist das wohl das Zentrum für Kliniken, Unis und diverse Gebäude, die wir mit unserem kaum vorhandenem Türkisch nicht identifizieren konnten.


Unser Zimmer war wirklich sehr schick! Fun fact: Es gab ein mannsgroßes Fenster von der Dusche zum restlichen Zimmer, das man aber auch mit einem kleinen Rollo zumachen konnte.

Am Tag 2 sind wir ganz früh raus, haben uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet gestärkt und wurden 8.30 Uhr abgeholt und zur Klinik gefahren. Dort begrüßte uns Arzu und nach 5 Minuten Papierkram ging es zur Voruntersuchung. Man guckt in drei unterschiedliche Geräte, wo Dioptrien, Augendruck und Hornhautdicke gemessen werden. Um gelasert werden zu können, müssen diese Werte seit mindestens 2 Jahren stabil sein, auch darf die Hornhaut nicht zu dünn sein. Hornhautverkrümmungen sind übrigens kein Problem! Ich selbst hatte (!) um die -4 Dioptrien mit einer leichten Verkrümmung.

Sollte bei der Voruntersuchung rauskommen, dass man für die OP nicht geeignet ist, muss man natürlich nicht die kompletten OP-Kosten bezahlen, allerdings die Voruntersuchung (50-70€) und die gebuchten Nächte im Hotel. Auf den Flügen usw. bliebe man dann natürlich auch sitzen, weshalb viele die OP mit einem Urlaub verbinden, damit der Trip im Falle des Falles nicht umsonst war. Man kann die Voruntersuchung auch in Deutschland machen lassen, muss diese dann aber bezahlen (soweit ich weiß, etwas über 100€, die dann mit der OP verrechnet werden würde, würde man diese anschließen).

Die Operation findet am selben Tag statt, jedoch nachmittags. Man wird also in das eben erwähnte Einkaufszentrum geschickt, um was zu essen und sich die Zeit zu vertreiben – und ehrlich, ich glaube, da ist sonst auch nicht so viel zu tun.

14 Uhr war mein OP-Termin. Ich war vielleicht 15 Minuten im OP-Saal. (Die genaue Beschreibung mache ich in kursiv, denn wer weiß, vielleicht will ja der eine oder andere gar nicht genau wissen, wie das alles funktioniert.) Es waren vier Menschen anwesend: Arzu, die Ärztin, eine OP-Schwester und ein Typ, der mir die betäubenden Augentropfen verabreicht hat und ansonsten, glaube ich, die Liege rumschiebt. Mit uns gibt noch zwei Maschinen im Raum. Ich muss mich im OP-Kittel rücklings auf eine Liege legen und werde unter eine der Maschinen geschoben. Dort sehe ich ein grünes Licht, ein Auge wird abgeklebt, in das andere wird eine Lidsperre geschoben. Arzu sagt: „Bitte konzentrieren Sie sich auf das grüne Licht, wenn es verschwindet, suchen Sie es nicht.“ Und dann geht es los. „Bitte nicht mehr sprechen, nur durch die Nase atmen, ruhig gucken, nein, nicht bewegen, genau, Sie machen das ganz gut, und fertig.“ Es wurde nicht erklärt, aber ich weiß, dass der erste Schritt ist, auf meiner Hornhaut quasi ein C aufzulasern, was man dann wegklappen kann. Dadurch, dass man nicht einfach, wie bei der früheren Methode, die Hornhaut an sich weglasert, sinkt wohl des Infektionsrisiko und man kann genauer arbeiten. Es wird nur unterhalb dieser oberen Hornhautschicht etwas entfernt, dann kommt die Schicht wie ein Deckel wieder drauf und wächst dort wieder fest. 

Der Eingriff ist gruselig, vor allem weil ich ständig Panik habe, dass ich mein Auge doch unbemerkt bewege und sie sich plötzlich „verlasern“. Es scheint aber gut zu laufen, denn das Prozedere wiederholt sich auf der anderen Seite. (Anm.: Einem Freund von mir, der sich in Deutschland hat lasern lassen, wurde direkt erklärt: „Die Maschine ist schneller als ihr Auge und stoppt, sollten Sie sich bewegen.“ Die Aussagen kannte ich zwar, hätte ich aber auch gerne noch mal gehört …) Ich kann meine Augen danach auch schließlich, auch wenn ich absolut nicht erklären kann, wie diese Hornhautklappe dabei nicht abreist. Jeweils muss ich nur 17 Sekunden in das grüne Licht gucken.

Dann werde ich woanders hingerollt. Ich soll die Augen öffnen und nach unten gucken und plötzlich kommen sie mit einem recht großen Stück Plastikfolie, dass sie mir direkt unter das eine Auge drücken (unangenehm!). Die Folie deckt mein anderes Auge mit ab und über dem, was gleich gelasert wird, ziehen sie eine Art Pflaster ab und legen es dadurch frei. Dann wird es mit Wasser ausgespült (auch unangenehm!) und ich sehe ein rotes Licht.

Plötzlich überkommt mich eine kleine Welle der Panik. Das ist alles so seltsam und ungewohnt und unbekannt und zum Teil unangenehm und ich hab die ganze Zeit Angst, was falsch zu machen, dass ich mein Auge nicht mehr auf machen will. Da greift Arzu nach meiner Hand und beruhigt mich und das hilft. Ich soll ins rote Licht gucken und dann passiert, was ich erst im Nachhinein verstehe: Das Licht wird ganz verschwommen, denn meine Hornhaut wird zurück geklappt. Das Lasern dauert 10 Sekunden. Das Ganze noch mal auf dem anderen Auge und ich bin fertig. Es kommt noch eine Schutzkontaktlinse drauf – hoffentlich, die letzte, die ich jemals tragen muss, und schon wird mir aufgeholfen und ich kann gehen. Von all der Aufregung bin ich noch ganz benommen und kriege nur wie durch einen Schleier mit, wie wir zurück zum Hotel gebracht werden. Was ich aber schon weiß: Es hat funktioniert! Ich kann sehen! Noch nicht alles ganz klar, aber ich bin nicht erblindet 😀

Zurück im Hotelzimmer lässt allerdings das Betäubungsmittel nach und dann gehen 3-5 sehr schmerzvolle Stunden ins Land. Trotz Ibuprofen, die ich direkt nach der OP noch im Auto genommen habe, brennen meine Augen so schlimm, dass ich sie kaum mehr aufkriege und mir die Tränen nur so runter tropfen. Es kommt in Wellen und ich versuche mich durch Musik und singen abzulenken, aber am Höhepunkt beiße ich mir nur noch in die Hand, klatsche doll in die Hände, knete meine Oberschenkel … alles, um den Schmerz abzulenken. Und dann wird es besser, jede Stunde ein bisschen mehr. Erst wird der Schmerz erträglich, sodass ich sogar fast einschlafe, dann kann ich meine Augen im Dunkeln aufmachen, schließlich auch wenn ein kleines Licht an ist und schlussendlich sitze ich mit Sonnenbrille im Hotelrestaurant. Die Nacht verbringe ich mit der tollen Schutzbrille, was aber ganz gut funktioniert.

Am Morgen von Tag 3 sind meine Augen durch die vielen Augentropfen, die man nehmen muss, ziemlich verklebt, aber ansonsten ist alles super. Ich kann sehen, selbst wenn es hell ist. Nichts tut mehr weh. Wieder 8.30 Uhr werden wir vom Hotel abgeholt und zur Nachuntersuchung gefahren. Wieder durchlaufe ich die drei Tests der Voruntersuchung mit dem Ergebnis: 0 Dioptrien. Die Operation ist super verlaufen, ein voller Erfolg. Die Kontaktlinsen nehmen sie mir ganz einfach raus und fertig ist die Geschichte.

Nach den Schmerzen des vergangenen Tages wirkte es umso unglaubwürdiger, wie gut es mir ging und geht. Den kompletten Tag über bin ich mit meiner Mama durch Istanbul gewandert und es ging mir blendend. Alle paar Stunden musste ich meine Augentropfen anwenden und da wir herrliches, sonniges Wetter hatten, war mir ab und zu meine Sonnenbrille noch ganz genehm, aber ansonsten waren die Strapazen vom letzten Tag wie weggeblasen. Auch jetzt geht es mir super. Ab und zu verschwimmt meine Sicht noch ein wenig, aber das geht dann immer wieder vorbei. Es fühlt sich halt an wie mit Kontaktlinsen nur ohne das Fremdkörpergefühl und dass ich mich manchmal daran erinnern muss, dass ich gar nicht mehr an die Linsen denken muss.

Mein Fazit

Ob nun in Istanbul oder anderswo, den Eingriff an sich finde ich es wert, durchgeführt zu werden. Fast alle Brillenträger, die ich kenne, würden sich über ein Leben ohne Brille oder Kontaktlinsen freuen und ich kann nun bestätigen, dass eine solche OP eine echte Alternative ist. Die Organisation sowie die Betreuung in der Bati Göz Klinik fand ich nett und empfehlenswert, auch wenn ich mir bei der OP noch ein wenig mehr Erklärungen gewünscht hätte. Auf der anderen Seite habe ich auch nicht direkt danach gefragt und als ich im Nachhinein darüber nachgedacht hab, war ich mir auch nicht mehr sicher, ob das wirklich geholfen hätte 😉

In meinem Kopf muss wirklich noch ankommen, dass meine neue, einwandfreie Sicht kein temporärer Zustand ist. Bis dahin wird jeder Tag ein bisschen schöner, sobald mir einfällt, dass ich ihn gerade mit meinen „eigenen“ Augen wahrnehme.

Für alle, die noch mit dem Gedanken spielen, zum Abschluss noch eine kleine Motivationshilfe: