Wer mich kennt, weiß, dass Regelschmerzen zu meinen big bad problems gehören und ich mich jeden Monat gerne wenigstens zwei Tage mit viel Nutella im Bett verkrieche(n möchte). Als ich das CrowdFounding-Video von Livia gesehen habe, war meine Neugierde dementsprechend SOFORT geweckt. Deswegen und weil es verdammt witzig ist, hab ich es noch mal rausgesucht:

Oh ja, „ARGH THE PAIN WHY AM I EVEN OUTSIDE“ könnte in der Tat der wohlklingende Hashtag für den Beginn meiner jeden Periode sein. Und damit haben sich erstaunlich viele Frauen angesprochen gefühlt, denn das Projekt war bereits nach 2 Monaten vollständig finanziert. Inzwischen haben die Macher sogar  1,7 Mio Dollar dafür gewinnen können. Ich hab also noch im letzten Jahr im early bird Angebot für den halben Preis zugegriffen. Jetzt kostet das Wundergerät $149 (ich fand $80 schon viel, habe aber in einem Moment, wo ich noch auf die Wirkung der Schmerztablette gewartet habe, beherzt bestellt …).

Wie der Spaß funktioniert, wird ja im Video erklärt. Wer’s nicht geguckt hat: Durch Elektroimpulse werden die Nerven, die die Schmerzsignale weiterleiten, „belegt“, sodass der Schmerz ausbleibt. Weiterer Vorteil: Man kann auf die ständigen Schmerztabletten verzichten.
Nehmen wir an, ich hätte pro Periode wirklich immer nur zwei schlimme Tage und würde auch pro Tag nur eine Schmerztablette nehmen (in meinem Fall hilft z.B. nur noch Ibuprofen), sind das trotzdem fast 50 Schmerztabletten im Jahr. Und die Lady im Video hat Recht: Auf die Wirkung muss man ewig warten, im schlimmsten Fall muss man nachlegen und auf lange Sicht braucht man immer höhere Dosierungen (Hoppla, klingt ja fast wie jede andere Droge auch! Ja, ich meine auch euch, Kaffee und Bier!).

Die amerikanische Geheimwaffe im Test

Das Ding ging jetzt also in Produktion, wurde PDA-geprüft und zugelassen und kam nach einigem Hin und Her auch bei mir an und konnte wenig später getestet werden. Hier meine Zusammenfassung:

Handhabung

Das Gerät sieht ziemlich genau so aus wie in dem Video, auch von den Größenverhältnissen her. Diese Pads klebt man sich da hin, wo es am meisten schmerzt und die Livia klippt man sich an die Hose/Rock/Strumpfhose. Selbst wenn man es sieht, sieht es einfach aus wie ein größerer MP3-Player oder meinetwegen irgendein medizinischer Tracker. Dazu leuchten die LEDs vorne ab und zu auf, um zu signalisieren, dass es läuft. Natürlich sieht man die Livia unter einem engen Kleid und bei einem bauchfreien Outfit könnte die Laufrichtung der „Kopfhörerkabel“ auch etwas fragwürdig erscheinen, aber da kann man sich drauf einstellen. Mich jedenfalls hat nur jemand drauf angesprochen, wenn ich direkt im Gespräch vor seinen Augen dran rumgedrückt habe und ich bin sehr zufrieden, wie schlicht und diskret es aussieht.

Laden tut man den Spaß mit einem normalen Micro-USB-Anschluss. Bei mir ging leider die Batterie immer recht schnell leer – mit recht schnell meine ich nach etwa 6h. Das Aufladen dauert dann wieder mind. 2-3h (eigentlich länger, aber länger wollte ich nie warten). Das Gerät wird nicht heiß.

Es ist wirklich leicht zu bedienen, es gibt ja auch nur drei Knöpfe: Power, Plus und Minus. Mit Plus und Minus kann die Stärke der Impulse bestimmt werden, je nachdem wie stark die Krämpfe eben kommen. Und es kommt mit so einer praktischen Box für Aufbewahrung und Transport.

Wirkung

Sind die Schmerzen weg? Jain.
Der Herrsteller verspricht allerdings auch nur „Schmerzreduzierung“.

Man fühlt die Elektroimpulse definitiv, vom leichten Kribbeln bis zum etwas unangenehmerem Zwiebeln. Leider nimmt Livia den Schmerz nicht einfach weg, wie z.B. Schmerztabletten. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich hab dem Krampfgefühl nur noch ein unangenehmes Zwicken dazu geschaltet, aber sobald ich das Gerät testweise ausgeschaltet habe, war klar, dass es ohne Livia noch viel schlimmer gewesen wäre. Und kennt ihr das, wenn ihr am liebsten was auf den Schmerz drücken möchtet? Wenn das Wärmekissen nicht nur wegen der Hitze angenehm ist, sondern auch, weil man was auf den Unterleib drücken kann? Das übernimmt Livia auch, denn es arbeitet ja direkt lokal gegen den Schmerz.

Sagen wir es also so: Meine Schmerzen waren nicht weg, aber ich habe die kompletten Tage ohne Schmerztabletten überstanden. Ich saß nicht einmal vorn über gekrampft auf der Bank, es gab keine Schnappatmung, keine Tränen. Stattdessen habe ich den ganzen Tag in der Bibliothek gearbeitet oder stand 8h hinter der Kinotheke, konnte also auch körperlich anstrengenden Tätigkeiten nachgehen. Natürlich habe ich keine 6h durchgehend starke Krämpfe, aber wenigstens schwach sind sie die ganze Zeit da. Die Impulse habe ich in den Momenten, wo die Krämpfe nur leicht waren, dementsprechend reduziert und dann auch das Kribbeln gar nicht mehr gespürt. Und erst als die Batterie den Geist aufgegeben hat, wurde mir klar, dass sie immer noch gewirkt hat. Was mich auch erstaunt hat war, dass wenn das Gerät laden musste und auch nur das kleinste Ziehen kam, sofort das Bedürfnis da war, das Kribbeln entgegen zu schalten. Für mich hat das für die hohe Akzeptanz von meinem Körper selbst vom Gerät gesprochen.

Fazit

Livia ist in erster Linie eine Alternative zu Schmerzmitteln. Für Frauen mit leichten bis gemäßigten Schmerzen, denke ich, ist es eine super Option – wenn diese allerdings ohnehin selten zu Schmerzmitteln greifen, ist die Investion von $149 mMn ziemlich hoch. Für Frauen wie mich mit starken Beschwerden wirkt Livia wirklich eher schmerzreduzierend – was aber immerhin reichen kann, um keine Schmerzmittel mehr zu nehmen und trotzdem durch den Tag zu kommen. Ob das reicht, muss jede Frau selbst wissen. Und dann bleiben da ja immer noch die Frauen mit extremem Beschwerden, die erst bei 2 Ibu 600 anfangen … da könnte ich mir vorstellen, dass man mit Livia zumindest die Dosis reduzieren könnte.

Es ist leider kein „Off-Switch“, wie der Slogan verspricht, aber ich möchte meinen Schmerzmittelkonsum wirklich minimieren und daher reicht mir die Wirkung persönlich vorerst. Einziger wirklicher Minuspunkt für mich: Ich hab auch noch Rückenschmerzen, könnte daher also eigentlich noch ein zweites Gerät gebrauchen …

Direkt zur Kampagne kommt ihr hier: Livia – The Off-Switch for Menstrual Pain